Ein Mädchen mit frechem Haarschnitt schaut mit aufforderndem Blick in die Kamera. Sie liegt dabei auf einem weichen Bett, ihr schlanker Körper hebt sich vom Weiß der aufgeschlagenen Bettwäsche wunderbar ab. Ihre Schenkel, die noch in schwarzen Nylons stecken, sind leicht geöffnet, und die eine Hand des Mädchens ist dabei, sich den hauchdünnen Slip abzustreifen, ihre Schamhaare sind schon zu sehen, andeutungsweise auch die Schamlippen. Deutlich heben sich die dunklen Brustwarzen von der wohlgeformten, gut ausgeleuchteten Brust ab.
Was stellt es dar? Ein normales Aktfoto, ein erotisches Foto, ein sexy Foto, eine Botschaft, eine Aufforderung zum Sex, eine „Vorlage" für den männlichen Betrachter?
Wer will hier klar trennen? Bis auf Pornografie scheint bei diesem Motiv hier alles zu gelten. Denn zur Pornografie lässt es sich (noch) deutlich abgrenzen, weil sie das rein Sexuelle, also den Verkehr, seine Stellungen und die Geschlechtsorgane in den Mittelpunkt stellt und den Betrachter eindeutig sexuell erregen soll.
Das Wörtchen „noch" wurde hier bewusst hineingeschoben. Denn in der Aktfotografie bzw. erotischen Fotografie sind die Grenzen fließend, ist die Arbeit des Fotografen mit seinem Modell bzw. Modellen eine Gratwanderung. Das hängt aber auch davon ab, was der Fotograf mit seinen Aufnahmen bezwecken will, welchen Auftrag er vielleicht bekommen hat (z.B. für bestimmte Magazine, Zeitschriften etc.) bzw. was ihm selbst liegt und worin er seine Prioritäten sieht. Und von der Erotik und der Darstellung des Sex bis zur Pornografie ist es dann nicht mehr weit.

Erotik und Sex in der Aktdarstellung sind keine Erfindung unserer Zeit. Bevor dieses Genre die Fotografie erobert hat, gab es in der Antike und dann wieder besonders seit der Barockzeit Erotik und Sex im Bild. Da gibt es z.B. den Kupferstich „Jupiter und Juno" von Agostino Carracci, geschaffen um 1600.
Jupiter hat Sex mit seiner Frau Juno, sein steifes Glied dringt zwischen ihren geschwollenen Schamlippen ein. Beide Götter völlig nackt auf einem Bett, wobei aber beide schon auf der Bettkannte den Akt vollziehen, so, als ob sie gar nicht mehr erwarten konnten. Carracci hat eine ganze Reiher solcher Motive gestochen und den reinen Sex zwischen historischen Figuren (z.B. Antonius und Kleopatra) oder anderen Göttern in den Mittelpunkt gestellt.
Dabei haben wir hierbei nur nach Europa geschaut. In anderen Kulturkreisen ist der Akt und die Erotik im Bild von weitaus längerer Geschichte. Denken wir nur an die Kamasutra-Darstellungen im Tempel von Kajuraho in Nordindien aus dem 11. Jahrhundert. Ein Fest der Sinnlichkeit, gemeißelt für die Ewigkeit in Stein. In Japan sind es die Shunga-Bilder, die in der Darstellung des Sex eine lange Tradition haben und keine Details ausgelassen haben. Shungas sind Holztafeldrucke und heißen übersetzt etwa „Bilder des Frühlings". Ähnliche Bilder gibt es aus Persien und China. „Frühling" ist gar nicht so abwegig, die Doppeldeutigkeit offenbart auch hier einen gewissen Schwebezustand, der dann später in der Fotografie mitschwingt.
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