Akt bzw. Erotik in der Fotografie ist so alt wie die Fotografie selbst. Zunächst haben Maler die betreffenden Aufnahmen lediglich als Vorlage für ihre Gemälde benutzt. Erst später ist daraus ein eigenständiges Genre in der Fotografie geworden.
Erste Daguerreotypien, wie die Aufnahmen nach ihrem französischen Erfinder damals genannt wurden, zeigen schon um 1845 erotische Bilder und hatten oft gar nicht so den prüden Anstrich wie man heute vielleicht glauben mag. Im Gegenteil: sie waren deftig, und die Modelle selbst dem Zeitgeschmack entsprechend ziemlich drall. Das erhöhte den prickelnden Aspekt des Bildes.
Aufgrund der noch
nicht ausgereiften Reproduktionstechnik waren die Aufnahmen Unikate und deshalb
hoch begehrt wie teuer. Nicht nur In Paris wurden die erotischen Akte unter dem
Ladentisch gehandelt, und wer von der Polizei erwischt wurde, dem drohte oft
das Gefängnis.
Was auffällt, ist, dass die meisten Aktaufnahmen zu jener Zeit in plüschigen Studios entstanden. Jeder Fotograf, der sich damit beschäftigte, war gewissermaßen ein Illegaler, jede Art von Öffentlichkeit wäre schädlich für ihn gewesen und das Fotografieren gar im Freien wäre zu riskant.
Der nackte Körper und seine Darstellung ist seit je her ein Anliegen der Künstler - ob er nun ein Maler, ein Bildhauer, Zeichner oder eben seit gut 170 Jahren ein Fotograf ist. Und die Erotik ist meistens immer dabei und regt die Phantasie des Betrachters an. Manchmal sind die betreffenden Darstellungen sogar Mittel der Anleitung gewesen oder dienten der Illustration. Man muss sich nur mal antike Darstellungen ansehen, z.B. Wandbilder aus Bordellen im ausgegrabenen Pompeji. Die Abbilder sind eindeutig.

Akt und Erotik sind natürlich nicht auf den weiblichen Körper beschränkt. Sehr früh schon wurde auch der männliche Körper ins rechte Licht gerückt. Solche Aufnahmen mit meist knabenhaften Modellen (Aufnahmen von Wilhelm von Gloeden oder von Wilhelm Plüschow) erinnerten oft an antike Darstellungen und verbreiteten unterschwellig eine homoerotische Aussage. Begehrt waren die Bilder deshalb nicht minder.
So waren Akt und Erotik in der Fotografie schon immer fließend und vermittelten nicht selten einen gewissen Schwebezustand. Diesen Zustand kann es übrigens auch zwischen dem Modell und dem Fotografen selbst geben. In Filmen und in der Literatur jedenfalls wird nicht selten so ein Verhältnis zum Gegenstand einer prickelnden bzw. delikaten Handlung.
Doch professionelle Fotografen, die sich mit dem Akt bzw. erotischen Aufnahmen beschäftigen, wahren die nötige Distanz, ohne natürlich distanziert zu sein. Im Gegenteil: Das Verhältnis zum Modell muss absolut stimmen, wenn eine Aufnahme oder eine ganze Serie gelingen soll. Dabei ist es egal, ob sich beide Seiten schon lange kennen, oder der Fotograf das Model gerade erst „von der Straße aufgelesen" hat.
Ein Akt jedenfalls kann künstlerisch, ästhetisch, erotisch, frech oder provozierend wirken. Und ebenso können auch die Aussagen eines solchen Bildes durch den Fotografen sein.
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